Interview

Interview mit Daniel Robert Erbe, Geschäftsführer LEGINDA GmbH

Hat maschinelle Übersetzung eine Zukunft?

Die Ursprünge der maschinellen Übersetzung (MÜ) liegen in den 60-ziger Jahren. Erstmals waren die technischen Voraussetzungen durch den Einsatz von Computern gegeben, um den Wunschtraum der Menschheit nach Beseitigung sprachlicher Barrieren ein Stück näher zu kommen.

Leider waren die ersten Projekte laut dem ALPAC-Bericht (John R. Pierce, John B. Carroll, et al.: Language and Machines – Computers in Translation and Linguistics. ALPAC report, National Academy of Sciences, National Research Council, Washington, DC, 1966.) des Verteidigungsministeriums der Vereinigten Staaten so niederschmetternd, dass für die kommenden 20 Jahre jegliche Hoffnung auf eine pragmatische Lösung im Keime erstickt wurde.

Erst mit dem Aufkommen des Internets und dem dadurch ständig wachsenden Bedarf an Übersetzungen wächst nun der Druck, die Forschungen auf dem Gebiet der maschinellen Übersetzungen auszuweiten und neue Konzepte zu entwerfen.

Aktuell liefern Hybrid-Lösungen die besten Ergebnisse und neuronale Netzwerke geben neue Hoffnung. Bei Hybrid-Lösungen kommen verschiedene Systeme und Methoden zum Einsatz, durch deren Kombination verschiedener Techniken auf Grundlage von Erfahrungen bemerkenswerte Resultate liefern. Die MÜ mit Hilfe neuronaler Netzwerke, welche also durch selbständiges Lernen der Software funktioniert, bedarf vor allem eines Lernprozesses. Das schwierigste Problem hierbei ist jedoch, dass man teils sehr gute Ergebnisse erzielen kann, diese aber nicht mehr nachvollziehbar hergeleitet werden können, weil sie nicht verstanden werden und damit kaum replizierbar sind. Folglich entfällt die Möglichkeit der Steuerung, da die Maschine lernt, sich selbst zu steuern, was einen wesentlichen Nachteil darstellt.

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass nach dem aktuellen Forschungsstand maschinelle Übersetzungen immer noch Wort für Wort Übersetzungen sind, die durch sehr ausgeklügelte Methoden wieder richtiggestellt werden. Was ihnen jedoch weiterhin fehlt und wohl noch lange fehlen wird, ist die Fähigkeit Sprache zu interpretieren. Und genau darin liegt der Unterschied zur manuellen Übersetzung durch menschliche Übersetzer.

Eine weitere interessante und in letzter Zeit immer häufiger zum Einsatz kommende Methode ist das sog. MTPE – Machine Translation Post Editing. Hier werden Übersetzungen maschinell übersetzt und die sog. Rohübersetzung durch menschliche Post-Editoren überarbeitet. Zusätzlich kann dieser Prozess noch durch eine Translation Memory in der die korrigierten Übersetzungen gespeichert werden mit der Zeit immer weiter verbessert werden.

Bereits heute ist klar abzusehen, dass die Menge an Übersetzungen insbesondere durch das Internet weiterhin zunehmen wird. Daher ist der Markt daran interessiert, Übersetzungen immer günstiger einkaufen zu können. Doch leider ist die Zahl menschlicher Übersetzer begrenzt. Also ist zu erwarten, dass die Preise für manuelle Übersetzungen durch den wachsenden Bedarf grundsätzlich zunehmen werden. Damit werden die Erwartungen des Marktes aber enttäuscht. Folglich ist der einzige Ausweg in maschinellen Übersetzungen zu sehen. Damit maschinelle Übersetzungen aber möglichst hochwertig sind, müssen bestimmte Vorgaben erfüllt werden. Solche Vorgaben sind beispielsweise eine Vereinfachung der Sprache. Auch Google pocht wegen der Analyse von Webseiten immer weiter darauf, Webseitentexte möglichst einfach zu formulieren. In manchen Content Management Systemen wird sogar die Qualität des Textes anhand eines Bewertungssystems angezeigt. Hochwertige Texte sind bei dieser Bewertung aber nicht komplizierte literarische Schachtelsätze, sondern sehr einfache und kurze Sätze. Dies wiederum wird zwangsläufig dazu führen, dass zumindest Texte im Internet immer einfacher und standardisierter werden, was leider die Vielfalt unserer sprachlichen Ausdrucksweise reduzieren wird.

Wie kann maschinelle Übersetzung heute sinnvoll eingesetzt werden?

Ein wichtiges Kriterium für die Nutzung maschineller Übersetzung ist deren Zweck. Man sollte sich also fragen, wofür die Übersetzung benötigt wird. Geht es nur darum, den Inhalt eines fremdsprachlichen Textes wenigstens einigermaßen verstehen zu können, um dann weitere Entscheidungen treffen zu können, so ist die maschinelle Übersetzung gut geeignet, da der Übersetzungsprozess sehr schnell und sehr günstig ist.

Werden hingegen Übersetzungen zur Veröffentlichung oder in rechtlichen oder sicherheitsrelevanten Themen und im Marketing, nur um Beispiele für hochwertige Übersetzungen zu nennen, benötigt, bleiben manuelle Übersetzungen weiterhin die bessere Wahl.

 

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