Interview

Christian Schwindling zum Thema Arbeit 4.0

Wie verändert sich unsere Arbeitswelt durch Industrie 4.0?

Industrie 4.0 bedeutet nicht, wie in vielen Szenarien oft beschrieben, menschenleere Fabrikhallen. Vielmehr verändert sich das Arbeiten. Die Digitalisierung und die intelligente Vernetzung von Mensch, Technik und Organisation führt zu Potenzialen in den Bereichen Rationalisierung aber auch Humanisierung. Maschinen und Roboter übernehmen immer mehr Aufgaben von Menschen, wobei es sich meist um Aufgaben handelt, die durch einen Rechner oder eine Maschine schneller, kostengünstiger und ohne Ermüdungserscheinungen erledigt werden können. Gleichzeitig bieten Assistenzsysteme Möglichkeiten die Arbeit humaner und gesünder zu gestalten. Die Beschäftigten werden stärker in die Prozesse eingebunden, zum Bespiel um Abläufe zu koordinieren, die Kommunikation zu steuern und eigenverantwortlich schnell Entscheidungen zu treffen.

Welche neuen Jobs entstehen?

Der Einzug von IT-Technologien auf allen Ebenen wird die Berufsbilder der Zukunft verändern – sei es im Büro, bei Dienstleistungen oder in Produktion und Logistik. Zum einen werden immer mehr Fachkräfte benötigt, die IT-Lösungen umsetzen, wie z.B. hardwarenahe Softwareentwickler. Zum anderen werden die Beschäftigten, egal welchen Beruf sie ergreifen, künftig höhere IT-Kompetenzen benötigen als heute. Dabei ist damit zu rechnen, dass im Mittelstand mehr IT-Umsetzungskompetenz gefragt sein wird, Großunternehmen werden hingegen vermehrt Experten für den Umgang mit großen unstrukturierten Datenmengen suchen. Es ist schwer vorauszusagen welche Tätigkeiten wegfallen oder sich stark verändern, allerdings werden in jedem Fall neue Jobs in stark veränderten Berufsbildern entstehen. Diese ständige Veränderung der Arbeitswelt fordert von Beschäftigten und Unternehmen eine Bereitschaft zum lebenslangen Lernen.

Wie verändert sich die berufliche Ausbildung

Die berufliche wie auch die akademische Aus- und Weiterbildung muss sich im Dialog mit der Industrie weiterentwickeln, um Antworten auf die Anforderungen in der neuen Arbeitswelt zu bieten. Beispielsweise sind Partnerschaften zwischen Unternehmen und Hochschulen denkbar. IT-Kompetenzen werden über alle Ausbildungen hinweg zum zentralen Erfolgsfaktor. Hinzu kommt ein ganzheitliches Prozessverständnis. Darüber hinaus werden vielfältige Weiterbildungsmöglichkeiten und eine Arbeitsorganisation, die das Lernen von Beschäftigten fördert immer wichtiger.

Welche neuen Anforderungen werden an Führungskräfte gestellt?

Durch das Zusammenwachsen von Informationstechnologie, Automatisierungstechnik und Software werden Führungstätigkeiten anspruchsvoller, interdisziplinäre Kompetenzen sind zunehmend gefragt. Um die Fachkompetenzen und Stärken eines Teams voll nutzen zu können und einen Mehrwert für alle zu schaffen, müssen aber auch die sozialen und Methodenkompetenzen entwickelt und angewendet werden. Auch das Thema flexibles, mobiles Arbeiten ist eine Herausforderung, der sich Führungskräfte zukünftig stellen müssen. Zum einen bieten die neuen Technologien die Möglichkeit, jederzeit und überall erreichbar zu sein und sehr selbstständig und frei zu arbeiten, zum anderen gilt es, die Teamzusammengehörigkeit aufrecht zu erhalten und eine saubere Trennung zwischen Beruf und Familie zu ermöglichen.

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