2. Das digitale Unternehmen

Die Digitalisierung durchdringt alle Funktionen eines Unternehmens und macht vor keiner Branche halt. Wir stellen Ihnen in diesem Kapitel einige ausgewählte Unternehmensbereiche vor, die sich durch Industrie 4.0 besonders stark verändern können – mit Beispielen aus der Praxis.

2.3 Vertrieb

e-Commerce

Erst die Digitalisierung ermöglicht es, Massenprodukte individuell auf den Kunden anzupassen. Ob Müsli in der eigenen Geschmacksrichtung, maßgeschneiderte Möbelstücke oder Parfümduftmischungen – der Kunde fordert „sein“ individuelles Produkt. Online-Konfiguratoren sind für individuelle Produkte unerlässlich – und sie sollten im Idealfall mit der Auftragsabwicklung und Produktionsplanung automatisch verknüpft sein.
Genau hier treffen sich e-Commerce und Industrie 4.0: Um individuelle Produkte, „Losgröße 1“, zu wettbewerbsfähigen Preisen anzubieten, sind sehr effiziente Produktionsprozesse nötig.
Für innovative Unternehmen, die die Produktion hochgradig individualisierter Massenprodukte im Griff haben, eröffnen sich ganz neue Geschäftschancen und eventuell auch Märkte. Unternehmen, die dagegen bei der Fertigung von Standard-Massenware verbleiben, müssen prüfen, ob die Nachfrage danach bestehen bleibt oder plötzlich ein schnelles „Individualisierungs-Unternehmen“ ihnen Marktanteile abnimmt.

After-Sales Services durch Augmented Reality

Durch Augmented Reality (AR) eröffnen sich im After-Sales Bereich neue Anwendungsmöglichkeiten. So lassen sich Produktdaten beispielsweise über eine Applikation auf einem mobilen Endgerät darstellen. Richtet der Kunde die Kamera auf das Produkt, erscheinen in Echtzeit auf dem Display individuell anpassbare Zusatzinformationen.
Solche Informationen, sei es auf mobilen Endgeräten oder in der Datenbrille, sind auch für den Wartungsservice interessant. Gerade wenn Maschinen, Anlagen oder komplexe Produkte irgendwo auf der Welt eine Wartung oder Reparatur benötigen, können dies in vielen Fällen auch weniger qualifizierte Mitarbeiter vor Ort übernehmen, wenn sie durch AR unterstützt werden. Derzeit erfolgt die Darstellung daher meist über Tablets o.Ä., Datenbrillen sind bisher selten im Einsatz und oft noch nicht für Langzeitaufgaben geeignet.

 Aus der Praxis
Die KBA-Digital & Web Solutions AG & Co. KG in Würzburg setzt eine Service-Datenbrille ein, die Haustechnikern in Druckereien hilft, Fehler zu beheben. Rund 70-80% der Störungen können so mit Fernassistenzunterstützung von Haustechnikern gelöst werden. Der Spezialist schaltet sich mit einer audiovisuellen Liveübertragung ein, begutachtet von Ferne aus den Anlagenfehler und gibt Anweisungen. Serviceanleitungen werden eingespielt und virtuell in der Datenbrille dargestellt. Der Haustechniker hat dadurch seine Hände frei und kann die notwendigen Arbeiten durchführen. Der Clou: Der Servicetechniker steuert das einfache Menu der Datenbrille durch Augenbewegungen, über das sog. „Eyetracking“. Denn mit ölverschmierten Händen kann er keine Touchpads oder Steuertasten bedienen. Die neue Servicedatenbrille wurde bereits in der Druckerei der Tageszeitung Main-Post erfolgreich getestet. Die KBA-Digital & Web Solutions ist ein global agierender Druckmaschinenhersteller.

Datenbrille im Einsatz, KBA

Servicetechniker im Einsatz mit Datenbrille, Foto: KBA

„After-Sales Services durch Augmented Reality sind in der Zukunft nicht weg zu denken. Jeder technische Redakteur hat künftig die Möglichkeit, AR als weiteren Kommunikationskanal in der Technischen Dokumentation einsetzen zu können.“

 Dirk Schart, Head of PR & Marketing, RE’FLEKT GmbH

Augmented Reality

Augmented Reality bringt das Handbuch „auf die Maschine“. Foto: RE’FLEKT GmbH

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